Olit Vassjaoga (*756 n.I.)

ist ein thiioer Theaterautor. Er gilt als Begründer des "Radikal Absurden Theaters".

Olit Vassjaoga wurde 756 n. I. in Thiios als Sohn eines Wassertechnikers geboren. In jungen Jahren interessierte er sich bereits für das Theater, insbesondere die Werke des damals jungen Tremna Valloroust, den er zeitlebends bewunderte. Zunächst absolvierte er jedoch eine technische Ausbildung als Installateur und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf, ehe er sich dazu durchrang, zu einem Theater zu gehen. Er wollte eigentlich Schüler Vallorousts werden, der ihn aber ablehnte. Es folgte eine Jahre andauernde Suche nach der richtigen Ausbildung, in der er mit allen wichtigen Lehrern Bekanntschaft machte. Die meisten davon lehnte er als zu konservativ ab.

 

777 n. I. schrieb Vassjaoga sein erstes Theaterstück, "Die Taube auf der Straßenkreuzung", eine Parodie auf Vallorousts Stück "Der Habicht und seine Zugverbindungen". Das Stück fand zunächst keinen Interessenten. Vassjaoga versuchte in den folgenden Jahren erneut, die Gunst seines Idols Valloroust zu erlangen, der ihn schließlich als Schüler akzeptierte, aber wenige Wochen später plötzlich verstarb, ohne Vassjaoga auch nur eine Stunde Unterricht gegeben zu haben. Olit Vassjaoga war davon tief betroffen und zog sich eine Weile wieder vom Theater zurück. Nach einer Zeit, die er in Riglomm als Wassertechniker gearbeitet hatte, kam er wieder zurück und schrieb in der Folge eine ganze Reihe von Theaterstücken, u. a. "Leere Worte" und "Der Geweißte", die schließlich aufgeführt wurden und zu einer Reihe von Skandalen führten. Man warf ihm unter anderen vor, Vallorousts Erbe zu beschmutzen, was er natürlich heftigst dementierte.

Dennoch, Vassjaoga war plötzlich sehr bekannt geworden, und jedes seiner Theaterstücke wurde mit Spannung erwartet – weil man sich neue Skandale erhoffte.

 

Mit "Stibaba" (790 n.I.) erreichte diese Ära ihren Höhepunkt, der zugleich der Schlusspunkt werden sollte. Vassjaoga versuchte mit diesem Stück das Publikum in jeder erdenklichen Weise zu quälen, etwa durch plötzliches Aufblenden der Scheinwerfer, und dadurch, dass ein Teil des Publikums mit Zuckerwasser übergossen wurde. Olit Vassjaoga war vom Publikum enttäuscht, dass sich durch derlei Aktionen nicht aus der Ruhe bringen ließ (und lediglich die mitgebrachten Regenschirme aufspannte). Er zog daraus die Konsequenzen und fand sich einen neuen Stil, den er kurze Zeit später die "Kleine Schule des Theaters" nannte.

Charakteristisch für diese Zeit ist eine zunehmende Ernsthaftigkeit der Handlungsbestandteile. Olit Vassjaoga war nun vor allem dafür berüchtigt, dass kaum je einige seiner Figuren das Ende des Theaters überlebten. Die bekanntesten Werke dieser Zeit sind "Der Wasserfall und seine Bewohner" und "Die Rache des Drahtziehers".

 

Im Jahr 802 n. I. heiratete Olit Vassjaoga die Tochter seines Vorbildes, Glista Valloroust. Allgemein wurde in dieser Zeit eine zunehmende Milde den Charakteren gegenüber festgestellt, indem eben nicht mehr alle starben, und manchmal ein Stück sogar gut auszugehen schien.

Nach zwanzig Jahren der "Kleinen Schule" zog sich Olit Vassjaoga aus dem Theaterleben weitgehend zurück. Die wenigen Stücke, die er in den folgenden Jahren schrieb, sind an die issoyanische Mythologie angelehnt, deren Reichtum er für das Theater fruchtbar zu machen suchte. Olit Vassjaoga ging es jedoch nicht um ein schlichtes Übernehmen von Mythen, sondern um das Neuschaffen nach dem Muster der alten. Deswegen nannte er seine Bewegung "Neue Müten"*, mit der bewussten Andersschreibung. Sein wichtigstes Werk dieser Zeit ist bislang "Der Ahnlallo".

 

Olit Vassjaoga war auch eines der Gründungsmitglieder des "Saffari-Theaters", das um 795 in einem heruntergekommenen Hinterhof gegründet wurde. Seine Zusammenarbeit mit dem Kabarettisten Koblenz Gaura endete jedoch bald, weil sie sich nicht auf den Inhalt ihrer Programme einigen konnten. Dennoch blieb Olit Vassjaoga im Umfeld des Theaters, auch wenn er es häufig kritisierte. Gerüchteweise ist Olit Vassjaoga über die Führung des Theaters nach Gaura alles andere als glücklich.

 

WICHTIGE WERKE

 

Frühwerk (radikal absurdes Theater)
Die Taube auf der Straßenkreuzung (Parodie eines Stückes von Tremna Valloroust)

Szene 94 (Paradie des Theaters von Gosef Gaar)

Leere Worte

Der Geweißte

Blutende Zunge

Der Verein im Nebel

Die Lauscher im Stein

Die zerbrochene Statue

Fürwahr, ein seltsamer Zeitgenosse!

Stibaba

Die Reise zu den Sternen


Mittlere Werke ("Kleine Schule des Theaters")
Der Wasserfall und seine Bewohner

Der Dagewesene (Mysterienspiel)

Die Rache des Drahtziehers

Im Schmelzwasser

Der Guru und die Rachegötter

Der tobende Wurm

Der Erzfeind und dessen übelste Schurken

Die Fehde

Im Pulverfaß

Der Gesang der Hyäne

Der Mooslieferant

 

Spätwerk ("Neue Müten")
Das Buch Daemontium

Das Bild des unwirklichen Malers

Der Ahnlallo

Giséle

 

(Artikel 2011?, 2013)

 

 

Kurze Werkauszüge

 

ERSTE HEXE: Luféon!

ZWEITE HEXE: Höre unsere Warnung!

DRITTE HEXE: Dein ist das Schicksal, dein Wort lässt Gebirge erzittern, doch du selbst hörst es nicht!

ERSTE HEXE: Dein Name macht Könige erzittern, doch du selbst zitterst nicht!

ZWEITE HEXE: Deine Hand tötet Tausende, doch du selbst spürst es nicht!

LUFEON: Wer seid ihr alten Weiber, dass ihr es wagt, mich anzusprechen?

ERSTE HEXE: Verrate uns erst deinen Namen, Luféon!

LUFEON: Wie bitte? Mein Name ist Luféon.

ZWEITE HEXE: Du spielst deine Rolle, Kind.

DRITTE HEXE: So sieh doch, wo deine Eltern sind!

LUFEON: Ich habe keine Eltern. Ich bin mein eigener Vater, geboren aus der Erde Mutterleib.

ERSTE HEXE: Du bist der Pinselstrich, der die Form verleiht.

ZWEITE HEXE: Wohin du gehst, folgt großes Leid.

DRITTE HEXE: Die Wahrheit hör! Bist du bereit?

 

(Olit Vassjaoga, Das Bild des unwirklichen Malers, Ausschnitt aus dem zweiten Akt)

 

 

JUNGE: Und jetzt hast du die ganze Welt erobert und kannst nichts mehr tun...

LUFEON: Nichts? Ein Wort genügt, und eine ganze Stadt zerfällt zu Asche!

JUNGE: Nichts.

LUFEON: Es wird immer Menschen geben, die mir entgegentreten.

JUNGE: Es gibt keine mehr. Sie sind alle tot. Jeder einzelne deiner Konkurrenten. Abertausende von strahlenden Helden, erschlagen von deiner Hand – die Hoffnung ist bereits tot.

LUFEON: Ich habe sie doch retten wollen! Ich wollte eine neue Welt erschaffen, besser als alle zuvor!

JUNGE: Ich werde dir ein Geheimnis verraten.

LUFEON: Ja?

JUNGE: Ja, das werde ich tun. Aber ich habe eine Bedingung.

LUFEON: Sag!

JUNGE: Du gibst auf. Ich habe dich besiegt.

LUFEON: Das ist doch lächerlich! Ich könnte dich in Fetzen zerreißen, ohne nur einen Finger zu rühren!

JUNGE: Dann sage ich es dir eben nicht.

LUFEON: Gut. Ich brauche es nicht zu hören.

JUNGE: Dann töte mich.

LUFEON: Oder du tötest mich.

JUNGE: lächelt Ich bin du und du bist ich.

Lufeon nimmt einen Dolch und sticht auf den Jungen ein. Dieser hält sein Messer bereit und sticht es in Lufeons Brust.

 


(Olit Vassjaoga, Das Bild des unwirklichen Malers, Schluss des vierten Aktes)

Der Regisseur zerrt einen Bühnentechniker auf die Bühne.

 

TECHNIKER: Ich war´s nicht. Ich kann nichts dafür! Eine unsichtbare Macht hat mich gelenkt!

REGISSEUR: (streng) Eine unsichtbare Macht hat die Scheinwerfer aufs Publikum gerichtet? So ein Unsinn! Das steht ganz anders in den Regieanweisungen.

TECHNIKER: Pass nur auf, dass die ganze Sache nicht auffliegt!

REGISSEUR: Wirst du wohl still sein!

TECHNIKER: Hört mir zu! (wendet sich ans Publikum) Der Sinn des Theaters wurde gefangengenommen!

REGISSEUR: Lügen!

TECHNIKER: Er hat ihn eingesperrt, er ist der Handlanger einer bösen Macht, die das Theater ruinieren will!

REGISSEUR: Alles Lügen!

(Stibaba rennt von links nach rechts über die Bühne und brüllt)

STIBABA: Ich will endlich etwas trinken! (Schüttelt aus seinem Bärenfell eine Flasche.)

REGISSEUR (ohne Emotion) Da ist nur Zuckerwasser drin. Du weißt, dass es verboten ist, auf der Bühne zu saufen!

STIBABA: Ich weiß gar nichts. Alles was ich weiß, ist dass ich im dritten Akt betrunken sein soll.

REGISSEUR: Ich bleibe dabei. Es gibt nur Zuckerwasser hier.

plötzlich regnet es Zuckerwasser aufs Publikum

der Regisseur zieht einen Dolch heraus und sticht zu

TECHNIKER: Es tut mir so leid! (fällt zu Boden)

STIBABA: War das jetzt der zweite Akt, verdammt nochmal?

REGISSEUR: Ja, das war jetzt der zweite Akt. Jetzt kommt deine große Szene.

 

(Olit Vassjaoga, Stibaba, Zweiter Akt)

 

 

KRANE: Tochter!

GISÉLE: Ja?

KRANE: Mir ist etwas eingefallen. Etwas wichtiges.

GISÉLE: Mm?

KRANE: Es ist wirklich wichtig, also hör gut zu!

GISÉLE: Gut.

KRANE: Du sollst zuhören. Sieh mich an, wenn ich mit dir rede! Das hat dein Vater schon nicht gekonnt. Er hat es nicht gekonnt, sage ich. Nie.

GISÉLE: Was wolltest du mir sagen?

KRANE: Neugierig bist du auch noch.

GISÉLE: Natürlich.

KRANE: Du verstehst nichts von Natur. Sieh dir zum Beispiel diesen Baum an. Du verstehst ihn nicht. Oder den Grashalm. Du hast keine Ahnung von diesem Grashalm. Der Ast. Du kapierst keine Äste. Vollkommen irre.

GISÉLE: Mutter, nun beruhige dich doch!

KRANE: Ruhe! Ruhe! Ruhe! (schreit) Ruhe!

GISÉLE: Mutter, ich habe dir auch etwas zu sagen.

KRANE: Ruhe! Ruhe!

GISÉLE: Mutter!

KRANE: Ich... ich... Ruhe!

GISÉLE: (steht auf und pflückt eine Beere, die sie ihrer Mutter in den Mund stopft) Da, iss!

KRANE: (starrt vor sich hin, fängt schließlich an zu kauen, schluckt) Was ist?

GISÉLE: Ich habe mich verlobt.

 

(Olit Vassjaoga, Giséle, Ausschnitt aus dem ersten Akt)