Institut für Wandelbare Kunst

Der Begriff "Wandelbare Kunst" mag dem geneigten (und oder böswilligen) Leser eventuell ein Fragezeichen über dem Kopf aufblinken lassen, daher möchte ich hier darauf näher eingehen.

 

Die entsprechende Tradition hat eine lange Geschichte - sie reicht zurück bis in präissoyanische Zeit. Woher genau sie kommt, ist historisch umstritten. Manche vertreten die These, dass sie über den Einfluss der jenkinnischen Kultur in die deutschsprachige eingewandert sei, andere vermuten ihren Ursprung in soalunischen Kulten. Das tut ja auch nichts zur Sache.

 

Was versteht man nun unter "Wandelbarer Kunst"?

 

Steinlegen

Beim Steinlegen werden mit einer bestimmten oder unbestimmten Anzahl von Objekten (Steinen, aber auch andere) Muster auf einer Tischplatte gelegt. Diese können für den Steinleger einen symbolischen Gehalt haben, oder auch völlig abstrakt und ohne spezifischer Semantik sein. Wichtig ist, dass der Leger sich in jedem einzelnen Moment ästhetisch hinterfragt - wann immer ein Objekt ihm an seinem Platz falsch erscheint, soll er es sofort umlegen, oder ganz entfernen. Dies gilt vom ersten Moment, da ein Stein am Tisch liegt, bis zum Wegnehmen des letzten Steines. Gute Steinleger, die ihre Kunst ernst nehmen, können daher nicht einfach die Steine wegräumen, weil diese Handlung für sie unästhetisch wäre. Sie benötigen oft länger als eine Stunde, um ein gelegtes Muster wieder abzubauen, wobei sie dabei auch oftmals wieder neue Steine hinzufügen müssen, um eine für ihr Gefühl notwendige Symmetrie (oder Asymmetrie) zu wahren.

 

Selten sind zwei oder mehr Personen am Aufbau eines Musters beteiligt. In diesem Fall kann es zwischen Steinlegern schon mal zu ästehtischen Debatten kommen. Andere Traditionen sehen vor, dass der ganze Prozess des Legens und Abbauens in völligem Schweigen vollzogen werden soll.

 

Kunstspieler

Mit der Tradition des Steinlegens entfernt verwandt sind diverse Kunstspiele. Dies sind einfach Brettspiele, bei denen sich im Laufe von einigen Jahrhunderten künstlerisch überhöhte Spielstile herausgebildet haben. Dazu gehört z.B. Gestik, Tonfall, Sprache, Taktik, Diplomatie - im Grunde genommen kann man sich Kunstspieler als Schauspieler vorstellen, die in die Rolle eines leidenschaftlichen Brettspielers schlüpfen. Je nach persönlichen Stil gehören mitunter auch heftige, ausgefallene Beleidigungen zum Stil der Spieler.

Das am häufigsten gespielte Brettspiel in Thiios ist übrigens "Templer", ein Strategiespiel, von dem einige Dutzend Varianten und Ableger im Umlauf sind.

 

Tanz, Gesang

Weitere Felder der Wandelbaren Kunst sind der improvisierende Tanz und der Gesang. Wiewohl beide eine lange Tradition haben, muss man aber sagen, dass sie im öffentlichen Leben in Thiios eine äußerst untergeordnete Rolle spielen. Gesangsaufführungen gibt es nur sehr selten; im Allgmeinen werden sowohl Tanz als auch Gesang als rein therapeutische bzw. der Selbsterkenntnis dienenden Akte gedeutet.

 

Aufführungen instrumentaler Musik gibt es in Thiios nicht, sieht man von einigen wenigen Experimenten in Theaterstücken der jüngeren Generation ab.